Offline Wikipedia Box

Raspberry Pi 5 im TerraPi Extreme Duo mit 2× 2,5" SSD

Offline Wikipedia Box – Foto 1
Offline Wikipedia Box – Foto 2
Offline Wikipedia Box – Foto 3
Projekt Dauer 2-4 Stunden
Zielgruppe Maker, Homelab, Schulen, Offgrid
Kombinierbar mit Kiwix Hotspot, IIAB, Heimnetz & WLAN
Links Kiwix  |  TerraPi Case

Meine Offline-Wikipedia-Box: Kiwix auf dem Raspberry Pi 5 – im TerraPi Extreme Duo mit 2× 2,5" SSD

Ich wollte irgendwann mal eine Wikipedia, die einfach immer da ist: kein WLAN, kein „gerade schlechtes Netz“, kein „ist die Seite down?“. Einfach Strom rein, Browser auf, Wissen da. Und weil ich nebenbei ein Faible dafür habe, Projekte nicht nur „zum Laufen“ zu bringen, sondern sie auch wie ein echtes Gerät aussehen zu lassen, ist daraus eine kleine Offline-Wissensbox geworden: Raspberry Pi 5 + Kiwix + zwei SSDs – verpackt in einem 3D-gedruckten TerraPi-Duo-Rahmen.

Gehäuse auf Printables ansehen  |  Kiwix ansehen

Die Idee: Wikipedia wie ein lokaler Radiosender fürs Wissen

Die Grundidee ist herrlich simpel: Der Pi ist ein kleiner Server, der eine ZIM-Datei (ein komprimiertes Offline-Abbild) bereitstellt – und jedes Gerät im Netzwerk kann per Browser darauf zugreifen. Kiwix bringt dafür kiwix-serve mit: ein schlankes Tool, das ZIM-Inhalte über HTTP ausliefert, inklusive Viewer im Browser.

Der Effekt im Alltag ist genau das, was ich mir erhofft hatte: Wikipedia fühlt sich nicht mehr an wie „das Internet“, sondern wie ein lokaler Bestandteil der eigenen Infrastruktur.

Hardware: schnell, leise, und ein bisschen „Mini-NAS-Vibes“

Ich habe das Setup bewusst so gebaut, dass es robust ist (Dauerbetrieb), schnell (Suche/Scrollen ohne Zähigkeit) und ordentlich (keine Kabelspinne):

  • Raspberry Pi 5 als Hauptrechner (bei Offline-Content und parallelen Zugriffen merkt man die Reserven)
  • 3D-gedrucktes Case: TerraPi Extreme Duo Open Frame (Open-Frame-Style, viel Luft, viel Platz für Laufwerke)
  • 2× 2,5" SATA-SSD im Gehäuse (silent, wenig Strom, schnell)
  • 2× USB3-to-SATA Adapter (je SSD einer)
  • Kühlung (Heatsinks/Lüfter je nach Setup – beim Pi 5 kann das unter Last Gold wert sein)

Kleiner Fun-Fact: Der TerraPi Extreme Duo ist als Open-Frame-Case mit zwei Laufwerks-Slots gedacht. Ich habe trotzdem 2,5" SSDs genutzt – die sind deutlich entspannter beim Thema Strom, Geräusch und Wärme. Mit einfachen Adaptern/Brackets (oder gedruckten Abstandshaltern) sitzt das sauber und sieht nach „fertigem Gerät“ aus.

Software-Stack: pragmatisch, schnell startklar, gut wartbar

Ich wollte kein „NAS-Monster“ und keine Datenbank-Orgie – nur: ZIM rein, Wikipedia raus.

  • Raspberry Pi OS (Lite) als Basis
  • SSD-Mounts sauber per UUID (damit nach Reboots alles dort landet, wo es soll)
  • Kiwix bzw. kiwix-serve als Webserver für ZIM-Dateien
  • Optional: Library-Modus, wenn mehrere Archive (Wikipedia, Wiktionary, etc.) komfortabel auswählbar sein sollen

Was ich daran mag: Das ist nicht „ein riesiger Stack“, sondern ein kleines, stabiles Setup, das man wie ein Appliance betreibt.

Setup in der Praxis: so wurde daraus ein „Einschalten & geht“-Gerät

1) SSDs vorbereiten & mounten
Ich habe die SSDs formatiert (z. B. ext4) und unter einem Pfad wie /srv/kiwix gemountet. Wichtig war mir: Mount via UUID in /etc/fstab, damit nichts verrutscht.

2) ZIM-Datei holen
Für Wikipedia gibt’s verschiedene ZIM-Varianten (Sprache, mit/ohne Bilder). Ich habe mir die passende Kombination ausgesucht – je nachdem, wie viel Speicher man investieren will.

3) Kiwix-Server starten
Im einfachsten Fall reicht ein Start wie:

kiwix-serve --port=8080 /srv/kiwix/wikipedia_*.zim
# Dann im Browser: http://<pi-ip>:8080

Damit läuft Wikipedia im Browser – lokal, schnell und ohne Internet.

4) Als Service laufen lassen
Damit das Ding wirklich „Box-Charakter“ bekommt, läuft es bei mir als systemd-Service und startet automatisch mit. Ergebnis: Neustart = Wikipedia ist wieder da, ohne dass ich irgendwas anfassen muss.

5) Zugriff im Netz so bequem wie möglich
Entweder über die IP (http://<pi-ip>:8080) oder – wenn man es hübsch mag – per Hostname (z. B. via mDNS).

Bonus: Warum zwei SSDs? (Und warum sich das überraschend gut anfühlt)

Zwei SSDs waren für mich weniger „Speicher haben“, sondern eher „Ordnung haben“:

  • SSD 1: System/OS + Logs + Updates (alles, was „Betrieb“ ist)
  • SSD 2: Inhalte (ZIM-Archive, Downloads, Backups)

Das macht Wartung angenehm: Wenn ich an den Inhalten schraube, bleibt das System sauber – und wenn ich das System neu aufsetze, bleiben die Inhalte unangetastet.

Warum mich das so fasziniert

Weil es aus etwas Abstraktem (Wikipedia im Internet) etwas Greifbares macht:

  • Wissen wird Infrastruktur. Wie ein Router: steht da, tut seinen Job.
  • Offline ist nicht „Verzicht“, sondern ein Modus. Gerade für Werkstatt, Camping, Schule oder Offgrid fühlt sich das plötzlich logisch an.
  • Das Case macht’s „produktig“. Open Frame, zwei Laufwerke, sauberer Aufbau – es sieht nicht nach Prototyp aus, sondern nach Mini-Server.