Ich wollte irgendwann mal eine Wikipedia, die einfach immer da ist: kein WLAN, kein „gerade schlechtes Netz“, kein „ist die Seite down?“. Einfach Strom rein, Browser auf, Wissen da. Und weil ich nebenbei ein Faible dafür habe, Projekte nicht nur „zum Laufen“ zu bringen, sondern sie auch wie ein echtes Gerät aussehen zu lassen, ist daraus eine kleine Offline-Wissensbox geworden: Raspberry Pi 5 + Kiwix + zwei SSDs – verpackt in einem 3D-gedruckten TerraPi-Duo-Rahmen.
Gehäuse auf Printables ansehen | Kiwix ansehen
Die Grundidee ist herrlich simpel: Der Pi ist ein kleiner Server, der eine ZIM-Datei (ein komprimiertes Offline-Abbild) bereitstellt –
und jedes Gerät im Netzwerk kann per Browser darauf zugreifen. Kiwix bringt dafür kiwix-serve mit: ein schlankes Tool,
das ZIM-Inhalte über HTTP ausliefert, inklusive Viewer im Browser.
Der Effekt im Alltag ist genau das, was ich mir erhofft hatte: Wikipedia fühlt sich nicht mehr an wie „das Internet“, sondern wie ein lokaler Bestandteil der eigenen Infrastruktur.
Ich habe das Setup bewusst so gebaut, dass es robust ist (Dauerbetrieb), schnell (Suche/Scrollen ohne Zähigkeit) und ordentlich (keine Kabelspinne):
Kleiner Fun-Fact: Der TerraPi Extreme Duo ist als Open-Frame-Case mit zwei Laufwerks-Slots gedacht. Ich habe trotzdem 2,5" SSDs genutzt – die sind deutlich entspannter beim Thema Strom, Geräusch und Wärme. Mit einfachen Adaptern/Brackets (oder gedruckten Abstandshaltern) sitzt das sauber und sieht nach „fertigem Gerät“ aus.
Ich wollte kein „NAS-Monster“ und keine Datenbank-Orgie – nur: ZIM rein, Wikipedia raus.
kiwix-serve als Webserver für ZIM-DateienWas ich daran mag: Das ist nicht „ein riesiger Stack“, sondern ein kleines, stabiles Setup, das man wie ein Appliance betreibt.
1) SSDs vorbereiten & mounten
Ich habe die SSDs formatiert (z. B. ext4) und unter einem Pfad wie /srv/kiwix gemountet.
Wichtig war mir: Mount via UUID in /etc/fstab, damit nichts verrutscht.
2) ZIM-Datei holen
Für Wikipedia gibt’s verschiedene ZIM-Varianten (Sprache, mit/ohne Bilder). Ich habe mir die passende Kombination
ausgesucht – je nachdem, wie viel Speicher man investieren will.
3) Kiwix-Server starten
Im einfachsten Fall reicht ein Start wie:
kiwix-serve --port=8080 /srv/kiwix/wikipedia_*.zim
# Dann im Browser: http://<pi-ip>:8080
Damit läuft Wikipedia im Browser – lokal, schnell und ohne Internet.
4) Als Service laufen lassen
Damit das Ding wirklich „Box-Charakter“ bekommt, läuft es bei mir als systemd-Service und startet automatisch mit.
Ergebnis: Neustart = Wikipedia ist wieder da, ohne dass ich irgendwas anfassen muss.
5) Zugriff im Netz so bequem wie möglich
Entweder über die IP (http://<pi-ip>:8080) oder – wenn man es hübsch mag – per Hostname (z. B. via mDNS).
Zwei SSDs waren für mich weniger „Speicher haben“, sondern eher „Ordnung haben“:
Das macht Wartung angenehm: Wenn ich an den Inhalten schraube, bleibt das System sauber – und wenn ich das System neu aufsetze, bleiben die Inhalte unangetastet.
Weil es aus etwas Abstraktem (Wikipedia im Internet) etwas Greifbares macht: